Tschechien

Heute vor 70 Jahren bekam Hitler von Italien, Frankreich und Großbritannien das OK für die Annexion der Sudetengebiete. Nach der Besetzung der „Rest-Tschechei“ 1939 und sechs Jahren NS-Germanisierungspolitik folgte die Vertreibung von drei Millionen Deutschen aus der Tschechoslowakei. Während die deutschsprachige Rechte diesbezüglich immer wieder revanchistische Töne anschlägt, reagieren viele Linke mit einer Idealisierung der Beneš-Dekrete. Wir halten diesen Reflex für falsch und kontraproduktiv.

Unsere Broschüre "Die Linke und die Benes-Dekrete" ist in den letzten Wochen sowohl in Österreich als auch in Deutschland auf großes Interesse gestoßen. Unser Ansatz, diese schwierige Frage von einem Klassenstandpunkt aus anzugehen und völkische Kategorisierungen aufzubrechen, hat uns viele positiv-zustimmende Rückmeldungen gebracht. Andererseits gab es aber auch einige Kritiker, teilweise Leute aus stalinistischer Tradition oder solche, die von den sogenannten "antideutschen Linken" beeinflusst sind. Sie argumentierten im wesentlichen, dass man die Benes-Dekrete nicht kritisieren solle, weil man damit zwangsläufig deutschnationalen Revanchisten in die Hände spiele.
Durch den kommenden EU-Beitritt Tschechiens sind die sogenannten Beneš-Dekrete, die die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei nach 1945 geregelt haben, wieder einmal in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert worden. Im Folgenden versuchen wir, einen Standpunkt zu diesem Thema - abseits von nationalistischer Hetze und pauschalen Verurteilungen - zu finden.