Marxismus Nr. 27: Sozialistischer und marxistischer FeminismusIn der neuen Frauenbewegung der 1960er und 1970er Jahren gab es grob gesagt drei Strömungen: die sozialistischen FeministInnen, die versuchten, feministische und sozialistische Ansätze zu verbinden, die liberalen FeministInnen, die vor allem für eine rechtliche Gleichstellung im System kämpften und die RadikalfeministInnen, die mit öffentlich wirksamen Aktionen gegen Alltagssexismus und Patriarchat antraten. Ab den 1980er Jahren erlebte die neue Frauenbewegung einen Niedergang. Sie verlor zunehmend ihren Bewegungscharakter und wurde in großem Ausmaß in die Institutionen des kapitalistischen Systems integriert. In der vorliegenden Arbeit untersucht die Autorin Maria Pachinger die Konzeptionen der sozialistischen und marxistischen FeministInnen in der neuen Frauenbewegung, die einen systemüberwindenden Anspruch hatten. Die ausgewählten Protagonistinnen sind in den meisten Fällen repräsentativ für bestimmte Strömungen oder Konzepte.

Christine Delphy und Heidi Hartmann sehen das Patriarchat als eigenes ökonomisches Ausbeutungssystem neben dem Kapitalismus. Maria Rosa Dalla Costa betrachtet Hausarbeit als mehrwertschaffend und als essentiellen Bestandteil der kapitalistischen Produktionsweise. Frigga Haug betrachtet die bestehenden Geschlechterverhältnisse als konstitutiv für den Kapitalismus und spielte eine wichtige Rolle für die Opfer-Täter-Debatte. Die „Standpunktfeministin“ Nancy Hartsock versucht einen feministischen Historischen Materialismus zu begründen, mit dem sie den Frauen einen spezifischen Erkenntnisstandpunkt zuschreibt.

Michele Barrett sieht die Frauenunterdrückung nicht als konstitutiv für den Kapitalismus an und legt den Fokus auf die ideologische Funktion der Geschlechterverhältnisse. Johanna Brenner liefert vor allem eine historische Untersuchung der Geschlechterverhältnisse und sieht die ArbeiterInnen als Subjekt im Kampf gegen Frauenunterdrückung und Kapitalismus. Martha E. Gimenez betrachtet die Frauenunterdrückung auf der analytischen Ebene als nicht konstitutiv für den Kapitalismus und versucht ihr Verständnis einer marxistischen Methode auf die Geschlechterverhältnisse anzuwenden.

Pachinger überprüft die genannten Konzeptionen auf ihren Anspruch der Überwindung von Frauenunterdrückung und Kapitalismus. Sie entwickelt aus der kritischen Auseinandersetzung mit diesen Positionen Grundlinien eines eigenen Ansatzes. Besonderes Augenmerk legt sie dabei auch auf die entsprechenden politischen Konsequenzen.

Die vorliegende Arbeit von Pachinger ist der erste größere publizistische Ausdruck einer intensiven Beschäftigung der Arbeitsgruppe Marxismus mit dem Themenbereich Frauenunterdrückung – Geschlechterverhältnisse. Zwei weitere Bücher sind in Arbeit: zu ArbeiterInnenbewegung und Frauenbefreiung beziehungsweise zum Mainstream der neuen Frauenbewegung.

 

Sozialistischer und marxistischer Feminismus. Positionsentwicklungen in den letzten 35 Jahren
Marxismus Nr. 27
Dezember 2005, 174 Seiten A5, 9 Euro (plus Porto)
ISBN 3-901831-23-1

 

 

Wer ist die RSO?
 
Die RSO (Revolutionär Sozialistische Organisation) arbeitet am Aufbau einer Organisation, die in Kämpfen eine Perspektive über den Kapitalismus hinaus aufzeigen kann. Wir nehmen an Demonstrationen und Aktionen teil, diskutieren solidarisch über unser Verständnis von Politik und welche Strategien wir brauchen und tauschen uns mit anderen AktivistInnen aus. Wir sind in Wien aktiv, haben aber Kontakt zu Gruppen und AktivistInnen in anderen österreichischen Städten und anderen Ländern.
 
Für Revolution und Sozialismus einzutreten, bedeutet über den engen Kreis der Linken hinauszuwirken und unsere Ideen in der ArbeiterInnenklasse zu verbreiten. Wir geben deswegen seit mehreren Jahren das Betriebsflugblatt Klartext in Wiener Krankenhäusern heraus, mit dem wir Missstände anprangern, KollegInnen ein Sprachrohr bieten und versuchen, Basisaktivitäten zu vernetzen. Mit anderen AktivistInnen gemeinsam haben wir die Initiative Care Revolution aufgebaut und diverse Demonstrationen und Protestaktionen organisiert
 
Für uns ist der Kampf gegen konkrete Ausbeutung am Arbeitsplatz, Unterdrückung durch Sexismus und Rassismus und die katastrophale Umweltzerstörung immer Verbunden mit einem Kampf gegen den Kapitalismus, der eine solidarisches Zusammenleben verhindert.