Die vorliegende Marxismus-Nummer ist der kritischen Auseinandersetzung mit Theorie und Praxis kommunistischer Frauenpolitik gewidmet. Im Zentrum des überwiegend von Manfred Scharinger verfassten Bandes steht das russische/sowjetische Beispiel. Mit dem ersten ArbeiterInnenstaat wurde immerhin die Voraussetzung geschaffen, auch die sozialistischen Konzeptionen der Frauenbefreiung in die Praxis umzusetzen.

In Teil 1 setzt sich Scharinger mit der Positionsentwicklung in der „Frauenfrage“ im vorrevolutionären Russland auseinander. Er beschäftigt sich mit den frühen Ansätzen von Alexandra Kollontai, Inessa Armand und W.I. Lenin und zeichnet die Entwicklung der ersten sozialistischen Frauenorganisationen nach.
 
Im (deutlich längsten) Teil 2 wird klar, welchen riesigen Sprung vorwärts das revolutionäre Russland und die junge Sowjetunion in Bezug auf die Situation von Frauen gemacht hat; das an sich relativ rückständige Land überholte die ökonomisch fortgeschrittenen westlichen Länder in zahlreichen Aspekten. Scharinger zeigt im folgenden auf, wie sich Bürgerkrieg, Mangel und Bürokratisierung auf die Möglichkeiten zur Forcierung der Frauenbefreiung auswirkten. Er arbeitet dabei aber auch sehr deutlich heraus, dass nicht nur die schwierigen äußeren Umstände schuld am schleppenden Fortgang der Frauenbefreiung waren, sondern auch die beschränkten politischen Ansätze der kommunistischen Partei. Sogar für Kollontai, die führendste Protagonistin der proletarischen Frauenbewegung im revolutionären Russland, war Frauenbefreiung übermäßig auf Mutterschutz orientiert.
 
Im Mittelpunkt von Teil 3 stehen die – überwiegend in Russland und dem deutschsprachigen Raum geführten –  Diskussionen um eine neue Sexualmoral. Scharinger spannt dabei den Bogen der Auseinandersetzung von Ruth Fischer und Otto Rühle über die Kontroverse zwischen Kollontai, Armand und Lenin um „freie Liebe“ bis hin zu A. Salkind, Felix Halle und Wilhelm Reich.
 
In Teil 4 analysiert Scharinger die verheerenden Auswirkungen des stalinistischen Bürokratismus auf die Geschlechterverhältnisse – darunter die Kriminalisierung der Homosexualität, das Verbot der Abtreibung, ein massiv gehypter Mutterkult und die Propagierung der bürgerlichen Kleinfamilie zur Reproduktion von sexistischen Rollenbilder.
 
Teil 5 beleuchtet die internationale Ebene der proletarischen Frauenbewegung und beschäftigt sich mit der Entwicklungsgeschichte des Internationalen Frauensekretariats und seines Verhältnisses zur Kommunistischen Internationale.
 
In Teil 6 untersucht Johannes Wolf die Frauenpolitik der frühen KPD.
Mit Kommunismus und Frauenbefreiung legen wir nun den zweiten Band zum Themenbereich Frauenunterdrückung-Geschlechterverhältnisse vor. Die Arbeit Sozialistischer und marxistischer Feminismus. Positionsentwicklungen in den letzten 35 Jahren haben wir vor einigen Monaten heraus gebracht. Weitere Publikationen zu diesem Themenbereich sind in Arbeit.
 
Maria Pachinger
 

 Marxismus Nr. 28
März 2006, 520 Seiten A5, Euro 18 (plus Porto)
ISBN 3-901831-24-X
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Wer ist die RSO?
 
Die RSO (Revolutionär Sozialistische Organisation) arbeitet am Aufbau einer Organisation, die in Kämpfen eine Perspektive über den Kapitalismus hinaus aufzeigen kann. Wir nehmen an Demonstrationen und Aktionen teil, diskutieren solidarisch über unser Verständnis von Politik und welche Strategien wir brauchen und tauschen uns mit anderen AktivistInnen aus. Wir sind in Wien aktiv, haben aber Kontakt zu Gruppen und AktivistInnen in anderen österreichischen Städten und anderen Ländern.
 
Für Revolution und Sozialismus einzutreten, bedeutet über den engen Kreis der Linken hinauszuwirken und unsere Ideen in der ArbeiterInnenklasse zu verbreiten. Wir geben deswegen seit mehreren Jahren das Betriebsflugblatt Klartext in Wiener Krankenhäusern heraus, mit dem wir Missstände anprangern, KollegInnen ein Sprachrohr bieten und versuchen, Basisaktivitäten zu vernetzen. Mit anderen AktivistInnen gemeinsam haben wir die Initiative Care Revolution aufgebaut und diverse Demonstrationen und Protestaktionen organisiert
 
Für uns ist der Kampf gegen konkrete Ausbeutung am Arbeitsplatz, Unterdrückung durch Sexismus und Rassismus und die katastrophale Umweltzerstörung immer Verbunden mit einem Kampf gegen den Kapitalismus, der eine solidarisches Zusammenleben verhindert.