Bringt die bevorstehende Wiener Volksbefragung eine Mehrheit für Olympische Sommerspiele in Wien, so wird sich die Stadt laut Bürgermeister Michael Häupl dafür bewerben. Für große Teile der Bevölkerung würde das allerdings wenig positives bedeuten.

Die Erfahrungen sportlicher Großveranstaltungen wie Olympia zeigen, dass dafür oft Unmengen an Steuergeldern aus dem Budget entnommen werden, um sportliche und sonstige Infrastruktur bereitzustellen. Diese wird danach aber in der Regel nicht mehr in dem Ausmaß gebraucht. Athen oder Beijing (die Austragungsorte der Sommerspiele 2004 und 2008) können ein Lied davon singen. Die Investitionen werden trotzdem getätigt und fehlen dann etwa bei der Bildung oder im Gesundheitsbereich.

Die letzten Olympischen Sommerspiele, 2008 in London, haben satte 14 Milliarden Euro verschlungen. Das ist mehr, als das gesamte Jahresbudget der Stadt Wien im letzten Jahr (circa 12 Milliarden Euro). Allein die Bewerbung Wiens würde 80 Millionen Euro veranschlagen. Das ist mehr als doppelt so viel, wie die Stadt jedes Jahr für außerschulische Kinder- und Jugendarbeit ausgibt.

Ein Mega-Event ohne Nachnutzung

Für Olympische Sommerspiele müssten in Wien etliche Sportstätten generalsaniert oder neu errichtet werden. Zum Beispiel bräuchte es laut Vorgaben ein Leichtathletik-Stadion mit mindestens 60.000 Sitzplätzen – das Ernst-Happel-Stadion wäre dafür zu klein. Im Anschluss der Spiele könnte aber niemand etwas damit anfangen, bereits das Happel-Stadion wird ja – wenn überhaupt – ein paar Mal im Jahr gefüllt. Die oft zitierte Lösung, Sportstätten nachher zurückzubauen zeigt nur die Absurdität solcher Mega-Events. Zur Erinnerung: Mit dem sauteuren Wörthersee Stadion in Kärnten (eigens für die Fußball-Europameisterschaft der Männer 2008 errichtet) haben wir in Österreich bereits ein Projekt, dessen Nachnutzung überhaupt nicht geklärt ist und welches nun vor sich hin vegetiert.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Neben den enormen Kosten hätten Olympische Sommerspiele in Wien aber noch weitere negative Effekte, wie etwa steigende Mieten und Preise sowie eine Aufrüstung der Überwachung. Maria Vassilakou, Chefin der Wiener Grünen spricht sich für die Austragung von Olympischen Spielen in Wien aus. Die Spiele von Barcelona 1992 nennt sie als Vorbild. Was sie nicht dazu sagt: Die Mieten in Barcelona stiegen von 1986 bis 1993 um 145% und der soziale Wohnbau ging dramatisch zurück. Und auch die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2004 in Athen spricht Bände: von den veranschlagten 1,25 Milliarden Euro stiegen die tatsächlichen Kosten auf fast sieben Milliarden Euro. Allein für die Sicherheit soll bis zu einer Milliarde Euro ausgegeben worden sein (viermal mehr als kalkuliert). Damals haben die Herrschenden in der EU und in Griechenland noch nicht so viel davon geredet, dass kein Geld da ist und gespart werden muss.

Viel sinnvoller als eine Bewerbung für einen solchen Mega-Event wären Investitionen in den Breitensport. Solange also viele SchülerInnen in den ArbeiterInnenbezirken von Wien ihre Turnstunden in Turnsälen von der Größe eines Klassenzimmers austragen müssen, sollte die Stadtregierung das Wort „Olympia“ nicht einmal in den Mund nehmen.