Die RSO hat mit dem Betriebsflugblatt Klartext im Krankenanstaltenverbund die Entwicklungen der letzen Jahre immer begleitet, analysiert und kommentiert. Zu den größten Brocken der letzten Jahre gehört die Ausgliederung des Krankenanstaltenverbundes unter neuem Namen, der wie ein Damoklesschwert über allem schwingende und sich ständig ändernde Spitalsplan 2030 und das Unsummen verschlingende Krankenhaus Nord. Mit 1.1.2018 ist auch die neue Besoldungsreform für alle neuen MitarbeiterInnen der Gemeinde Wien in Kraft getreten, wozu auch die MitarbeiterInnen des Krankenanstaltenverbundes gehören.

Alle diese Prozesse und Veränderungen sich komplex, intransparent und einschüchternd. Gleichzeitig gab es mit Dezember 2017 eine neue Regierung, was zusätzlich von den Themen ablenkte. Doch jetzt nachdem die Besoldungsreform sich ein Jahr ausgewirkt hat, ist Unruhe in der Pflege entstanden. Wir dokumentieren hier zwei kürzere Klartext Artikel zur Besoldungsreform, mit denen wir die KollegInnen angesprochen haben:

 

Februar 2019: Unsere Erfahrung ist viel wert!

Spätestens beim Weihnachtsgehalt wurde es klar. Die KollegInnen in der Pflege, die im neuen Besoldungsschema eingestiegen sind, verdienen viel mehr als die sogenannten „Altbediensteten“. Warum soll jemand 500 Euro weniger verdienen, weil die Person im Herbst 2017, statt im Frühjahr 2018 zu arbeiten begonnen hat? Über 40 Dienstjahre gerechnet, wäre schön eine günstige Eigentumswohnung drin.

Kollegen aus der Rudolfstiftung haben die Initiative „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ auf Facebook gegründet und mit einer Onlinepetition bisher über 3500 Unterschriften gesammelt. 

Die Kollegen haben sich die Mühe gemacht und in einer Tabelle die Gehälter im alten K4-Schema und im neuen W2/11-Schema für Spezialbereich verglichen und sind zur erschreckenden Erkenntnis gekommen, dass sich die Gehaltskurven erst nach 40 Dienstjahren treffen. Wer hält denn überhaupt so lange im Beruf durch? Wird die Arbeit der „Altbediensteten“ nicht wertgeschätzt? Viele Kolleginnen und Kollegen sind zu Recht wütend und in der Arbeit demotiviert.

Die Kollegen von Gleicher Lohn für gleiche Arbeit haben ein Gespräch mit der Gewerkschaft erzwungen. Diese spricht davon, dass einerseits das K4-Schema verbessert werden soll und sieandererseits für eine OPT-IN-Möglichkeit eintreten, also die Umstiegsmöglichkeit in das neue Schema. Von Seiten der KAV-Direktion und dem zuständigen Stadtratsbüro von Peter Hacker gibt es dazu allerdings Absagen. Ein Umstieg in das neue Schema soll auch in Zukunft nicht möglich sein.

Nachdem die Gewerkschaft selbst das neue Schema im kleinen Kreis verhandelt und abgesegnet hat, ist hier nicht viel zu erwarten. Den notwendigen Druck für die Erwirkung des OPT-IN werden wir selbst aufbauen müssen. Wichtig ist dabei, dass wir uns nicht spalten lassen. Die neuen KollegInnen können nichts für diese Ungerechtigkeit und es ist natürlich ein Fortschritt, wenn unser Beruf in Zukunft besser bezahlt wird.

Wichtig wäre es herauszufinden, in welchen anderen Berufen es dieselben Probleme gibt und diese ins Boot zu holen. Für manche Berufe bringt das neue Schema auch eine Verschlechterung und neue KollegInnen verdienen jetzt weniger als im alten Schema. Wenn es gelingt diese verschiedenen Kritikpunkte an der Besoldungsreform zusammen zu bringen und uns gemeinsam Gehör zu verschaffen, muss die Regierung nachgeben und ihre Fehler korrigieren.

 
November 2017: Besoldungsreform: Teile und Herrsche
 
Die größte Besoldungsreform, die die Gemeinde Wien je gesehen hat, wird 2018 in Kraft treten. Sie wurde nur von wenigen Gewerkschaftern mitverhandelt und äußerst intransparent und undemokratisch beschlossen. Sogar
die Hauptgruppe 2-Jugend hat mit einer Unterschriftenliste gegen die Vorgangsweise der eigenen Gewerkschaft protestiert. Die Reform gilt für neue MitarbeiterInnen und wird so eine Zwei-Klassen-Belegschaft schaffen.
 
Das neue System sieht funktionsorientierte Entlohnung, statt ausbildungsorientierter Entlohnung vor. Es wurden unzählige Modellstellen für zig Berufsfamilien definiert, die alle unterschiedlich verdienen werden. Das System wurde von externen Beratungsfirmen für Millionen Euro erstellt, nachvollziehbar ist es für niemanden. Generell sieht es höhere Einstiegsgehälter vor,die dafür langsamer steigen. Die Lebensverdienstsumme zwischen altem und neuem System ist allerdings für niemanden vergleichbar. Auch die Arbeiterkammer kann das mit den bisherigen Informationen nicht. Sollte es zu Versetzungen wegen Umstrukturierungen oder gesundheitlichen Einschränkungen von MitarbeiterInnen kommen, sind Rückstufungen und Gehaltsverlust von bis zu 13 % möglich – alles einseitig durch den Arbeitgeber.
 
Um die höheren Einstiegsgehälter gegenzufinanzieren gibt es seit Oktober 2017 einen halbjährigen Aufnahmestopp. Der gilt angeblich nicht für den KAV, BewerberInnen berichten uns aber ganz anderes. Bis Ende 2020 wird jeder zweite freiwerdende Dienstposten nur mit 6 Monaten Verzögerung nachbesetzt. 435 Dienstposten werden bis 2022 überhaupt gestrichen. Den Alten wird erzählt, dass sie nicht betroffen sind. Den Neuen wird es als alternativlos verkauft. Mit dieser Teile- und Herrsche-Politik soll die Belegschaft gespalten werden. Und die Gewerkschaftsführung macht einfach mit.
 
Den aktuellen Klartext gibt es hier. Eine Sammlung der Flugblätter hier.
 
Wer ist die RSO?
 
Die RSO (Revolutionär Sozialistische Organisation) arbeitet am Aufbau einer Organisation, die in Kämpfen eine Perspektive über den Kapitalismus hinaus aufzeigen kann. Wir nehmen an Demonstrationen und Aktionen teil, diskutieren solidarisch über unser Verständnis von Politik und welche Strategien wir brauchen und tauschen uns mit anderen AktivistInnen aus. Wir sind in Wien aktiv, haben aber Kontakt zu Gruppen und AktivistInnen in anderen österreichischen Städten und anderen Ländern.
 
Für Revolution und Sozialismus einzutreten, bedeutet über den engen Kreis der Linken hinauszuwirken und unsere Ideen in der ArbeiterInnenklasse zu verbreiten. Wir geben deswegen seit mehreren Jahren das Betriebsflugblatt Klartext in Wiener Krankenhäusern heraus, mit dem wir Missstände anprangern, KollegInnen ein Sprachrohr bieten und versuchen, Basisaktivitäten zu vernetzen. Mit anderen AktivistInnen gemeinsam haben wir die Initiative Care Revolution aufgebaut und diverse Demonstrationen und Protestaktionen organisiert
 
Für uns ist der Kampf gegen konkrete Ausbeutung am Arbeitsplatz, Unterdrückung durch Sexismus und Rassismus und die katastrophale Umweltzerstörung immer Verbunden mit einem Kampf gegen den Kapitalismus, der eine solidarisches Zusammenleben verhindert.