Josef Frey zählte in der Zwischenkriegszeit zu den wichtigsten Persönlichkeiten in der österreichischen ArbeiterInnenbewegung. Frey war anfänglich einer der Führer der KPÖ, später Gründer der KPÖ (Opposition). Seine Publikationen waren bis nach dem Krieg bedeutende Grundlage und Schulungsmaterial vieler verschiedener trotzkistischer Strömungen innerhalb und außerhalb von Österreich.

Josef Frey wurde im Jahre 1889 in Strakonitz (heutiges Strakonice/Tschechien) geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und war bis 1914 Journalist der Wiener “Arbeiterzeitung”. Bei Kriegsbeginn wurde er als Reserveoffizier eingezogen. Da er die Schranken zwischen Offizieren und Mannschaften ignorierte, wurde er von der k&k Offizierskaste isoliert.

Während der Revolution 1918 war er Vorsitzender des Wiener Arbeiter-und Soltatenrats. Aufgrund seines Engagements als Soldatenrat wurde ihm nach dem Krieg von der sozialdemokratischen Parteiführung der Posten des Wiener Polizeipräsidenten angeboten. Frey stellte zur Bedingung, daß der alt-monarchistische Polizeiapparat durch einige tausend bewaffnete Arbeiter ersetzt wird und lehnte den Posten ab. Infolgedessen zerstritt sich Frey zunehmend mit der Parteiführung der SP.

Die Gruppe um Frey, die “Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft revolutionärer Arbeiterräte”, kurz SARA, trat im Jänner 1921 in die KPÖ ein. Freys Politik brachte der KPÖ erhebliche (Wahl-)Erfolge in der Arbeiter-Innenklasse und erstmals auch einen direkten Zugang zu Betrieben. Diese Erfolge brachten Frey die Führung der KPÖ.

Der erhoffte Aufschwung der Partei ging aber nur gemächlich voran, da die revolutionäre Nachkriegskrise in wesentlichen vorbei war. Ende 1922, unter der Führung von Sinowjew, änderte die Kommunistische Internationale ihren Kurs. In weiterer Folge wurde Frey von der Komintern nach Deutschland abgeschoben, da dieser schon damals eine kontroverse Politik verfolgte. Nach einigen Wahlniederlagen zeigte sich bald der Bankrott des Anti-Frey-Blocks.

Aus Deutschland retour begann Frey im Herbst 1925 mit der Organisation einer (noch nicht trotzkistischen) Opposition gegen die aufkommende Bürokratisierung in der KPÖ. Ab 1926 ging der KPÖ-Parteiapparat daran, die Opposition mit aller Gewalt zu zerschlagen. Schlägerkommandos, die zur Sprengung oppositioneller Mitgliederversammlungen eingesetzt wurden, waren keine Seltenheit. Die Leitungen einiger oppositioneller Ortsgruppen wurden zerschlagen. Wegen “mensche-wistischer Abweichungen” wurde die Opposition im Jän-ner 1927 ausgeschlossen.

Kommunistische Partei Österreichs (Opposition)

Im Mai 1927 gründete sich mit einer Konferenz die KPÖ-Opposition. Die Gruppe der aktiven Mitglieder umfaßte Arbeiter aus der Frey-Fraktion und Intellektuelle aus der Gruppe um Kurt Landau. Die KPÖ(O) dürfte damals knapp 400 aktive Mitglieder gehabt haben, die KPÖ hatte ca. 3000 Aktive. Die erste große Aktion an der sich die KPÖ (O) beteiligte, war die Auseinandersetzung um den Justizpalast im Juli 1927, bei der ein Genosse der KPÖ(O) von der Polizei erschossen wurde. Das Verhältnis zwischen KPÖ und KPÖ(O) gestaltete sich weiterhin nicht freundlich. KP-Anhänger griffen immer wieder Veranstaltungen der KPÖ(O) an, denunzierten KPÖ (O) Mitglieder bei der Polizei und sogar Frey trug bei einer Gedenkveranstaltung schwere Verletzungen davon. Es handelte sich insgesamt um gezielte Methoden der KPÖ, politische Diskussionen zu verhindern.

Internationale Kontakte

Erst im Oktober 1927, auch aufgrund schwacher internationaler Verbindungen, bekannte sich Frey´s KPÖ(O) zum Trotzkismus und zur ILO (Internationale Linke Opposition). Im April des Jahres 1928 kam es dann wegen politischen und persönlichen Differenzen, aber auch kontroverser Perspektiven zur Position zur Sowjetunion zur Spaltung der KPÖ(O). Frey der zwar selbst Akademiker war, wollte niemanden neben sich aufkommen lassen und so wurde die „Intellektuellen-Gruppe“ um Landau ausgeschlossen.

Trotzki persönlich verlangte ultimativ die Vereinigung der beiden Lager. Doch durch das sture Verhalten von Frey und Lan-dau kam diese nicht zusammen. In weiterer Folge kam es 1930 zu einem Bruch zwischen ILO und KPÖ(O).

In den frühen 30er Jahren hatte die KPÖ(O) noch insgesamt ca. 200 Mitglieder. Frey begann in etlichen Kurs-Schulungen Mitglieder und Sympathisant-Innen auszubilden. Diese Schulungen gingen streng nach den von Frey verfaßten Broschüren vor. Diese Broschüren wurden von Hand zu Hand weitergegeben und bis nach dem Krieg verwendet.

Im Mai 1933 kam es zum Verbot der KPÖ, das auch die KPÖ (O) betraf. In August wurde schließlich auch das schriftliche Organ der KPÖ(O) die “Arbeiterstimme” verboten. Nach der Niederlage der KP in Deutschland 1933 zog die KPÖ(O) wie auch die ILO die Schlußfolgerung, daß eine Reformierung der KPen keinen Sinn mehr mache. Diese Schlußfolgerung führte auch nach Februar1934 zu einer Aufgabe des Namens KPÖ(O).

Kampfbund

Die österreichischen Trotzkist-Innen mussten wegen staatlicher Repressionen nach den Februarkämpfen 1934 in den Untergrund gehen. Die KPÖ(O) wurde in den “Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse” umbenannt. Als 1934 die Entrismus-Taktik (Revolutio-närInnen arbeiten in reformistischen Organisationen und versuchen, auf deren Politik Einfluß zu nehmen und aus ihnen Mitglieder zu gewinnen) beschlossen wurde, lehnte der Kampfbund das als opportunistisch ab und beharrte auf die Unabhängigkeit der revolutionären Organisation, was auch zu einer Vertiefung des Bruches zwischen österreichischer und der internationaler trotzkistischer Bewegung führte.

Eine weitere Besonderheit der Frey-Gruppe war die KKT, die Kombinierte Kriegstaktik. Sie bedeutete eine Neuinterpre-tation der klassischen Taktik des revolutionären Defätismus im Kriegsfall (d.h., die Revo-lutionärInnen ergreifen für keine kriegsführende Gruppe Partei, sondern kämpfen für die Niederlage des eigenen Landes und die Umwandlung in eine Revolution). In den imperialistischen Ländern, die mit der Sowjetunion verbündet waren, sollte laut Frey diese Vorgabe nicht mehr gelten. In Folge spalteten sich eine ganze Reihe von Mitgliedern vom Kampfbund ab, der im Lauf des Krieges zusammenschmolz.

Josef Frey hat “seinen” Kampfbund in vielerlei Hinsicht geprägt. Der Kampfbund und seine Nachfolgeorganisationen waren äußerst straff organisiert, nichts wurde dem Zufall überlassen. Das führte dazu, daß der Trotzkismus in Österreich mit vergleichsweise wenigen Opfern den Austro- und den Nazifaschismus überstand. Der hierarchische Aufbau mit teils autoritären Zügen ging eindeutig vom dominierenden Frey aus. Dies sollte sich in Folge als nachteilig erweisen, als Frey 1938 in die Schweiz flüchten mußte, entstand ein politisches Vakuum.

Nach dem Krieg versuchte Frey des öfteren, Vereinigungen mit abgespaltenen Gruppen anzubahnen, doch durch das unterschiedliche Vorgehen der einzelnen Gruppen und seiner Dominanz war dies nicht möglich. Bis zu seinem Tode im Jahre 1957 war Frey der Kopf des Kampfbundes. Mit ihm starb einer der bedeutendsten österreichischen Revolutionäre.