Knapp 6 Tage haben letzte Woche die Lokführerinnen und Zugbegleiter der GDL gestreikt. Dieser „längste Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn“ war sicher der in den Medien präsenteste, aber längst nicht der einzige Arbeitskampf hierzulande. Kitas, Krankenhäuser, Geldtransporte, Post, Busunternehmen… der „Streikvirus“ scheint zurzeit sehr ansteckend zu sein! Die aktuelle Vorderseite, die wir gemeinsam mit der SAS vor Berliner Betrieben verteilen, hofft auf Ansteckungsgefahr!

Überlastung bekämpfen

In den Medien wird so getan, als sei der Grund für die Streiks bei der Bahn der „Machthunger“ der GDL oder ihres Chefs Weselsky. In Wirklichkeit geht es um sehr konkrete Forderungen. Vor allem um die Senkung der Arbeitsbelastung, die für Bahnbeschäftigte schon seit Jahren immer mehr zunimmt. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 39 Stunden wird über das ganze Jahr verteilt, sodass 60-Stunden-Wochen keine Seltenheit sind. Zudem greift die DB zu Überstunden, um mit dem viel zu knapp bemessenen Personal den Betrieb aufrecht zu erhalten: 8 Mio. Überstunden schiebt das Fahrpersonal vor sich her. Wenn die alle abgebummelt würden, stünde die Bahn Monate lang still… und nicht nur 6 Tage!

Anstatt nun einzustellen, versucht die Bahn immer weiter Personal abzubauen, aktuell in der Reparaturwerkstatt Cottbus. Die Forderungen, mit denen die GDL angetreten ist, sollen hier die Reißleine ziehen und endlich ein bisschen mehr Freizeit zurück erobern für Freunde und Familie und zur Erholung von der anstrengenden Schichtarbeit: Arbeitszeitverkürzung von 2 Stunden pro Woche und maximal 50 Überstunden für jeden. Wenn diese Forderungen, die vielen Bahner_innen wichtiger sind als die Lohnforderung, durchgesetzt werden, wird die Bahn gezwungen, mehr Personal einzustellen. Somit kämpfen die Streikenden indirekt auch für neue Arbeitsplätze.

Viele, viele Streiks…

Auch in anderen Branchen finden immer neue Angriffe auf Löhne, Arbeitsbedingungen und Arbeitsplätze statt. Wer das nicht einfach hinnehmen will, muss entschlossen den Kampf dagegen aufnehmen.

Um ihre Arbeitsplätze geht es den 1.200 Beschäftigten der Postbank am Standort Berlin. Gerade hat die Deutsche Bank den Verkauf des Unternehmens angekündigt. Bei der Post selbst haben die 140.000 Beschäftigten durch mehrere Warnstreiks deutlich gemacht, dass sie bereit sind, für eine Verkürzung ihrer Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden zu kämpfen – auch das schafft Arbeitsplätze.

Beim unbefristeten Streik der kommunalen Kitas geht es um angemessenere Bezahlung für 240.000 Beschäftigte, aber auch um Einstellungen für eine bessere Personalbesetzung in den Kitagruppen, weniger Arbeitsbelastung und Überstunden.

Auch die Krankenhaus-Kolleg_innen der Charité haben neulich durch einen zweitägigen Warnstreik ihre Forderungen für eine bessere Mindestbesetzung bekräftigt: eine Pflegekraft auf fünf Patienten für normale Stationen und 1:2 auf Intensivstationen.

3000 Beschäftigte der Bus- und Bahnunternehmen in Brandenburg haben zunächst bis Montag für höhere Löhne gestreikt. Auch die Beschäftigten des Geldtransportunternehmens Prosegur in Potsdam wollen bessere Bezahlung und eine Absicherung für den gefährlichen Beruf. Nach drei Wochen Streik sind bei einigen Banken in der Region die Geldautomaten leer, bei vielen Supermärkten wird das Bargeld knapp.

Gemeinsam sind wir stark

Die kurze Übersicht zeigt, wie sehr sich die Probleme ähneln – es sind die Probleme aller Arbeitenden in dieser kapitalistischen Gesellschaft. Die große Mehrheit der Bevölkerung wird immer mehr ausgequetscht, um am anderen Ende unglaubliche Reichtümer in den Händen von wenigen anzuhäufen.

Streiks sind das einzig wirksame Mittel, um diese Profitgier zu bremsen und die Unternehmer_innen zu Zugeständnissen zu zwingen. Damit die Streiks erfolgreich sind, müssen sie entschlossen geführt und lang genug durchgehalten werden – die Bahn zum Beispiel hat den befristeten Streik trotz Millionenverlusten ausgesessen. Die Streikenden müssen öffentlich wahrnehmbar sein und alles in Bewegung setzen, um ihre Streiks auszuweiten – im eigenen Betrieb und betriebsübergreifend – dann bekommen „die da oben“ Angst.

Wenn während der Streiks nix läuft, sieht man auch, wer wirklich diese Gesellschaft am Laufen hält: Wir Arbeitende! Wir könnten genauso eine ganz andere, viel gerechtere Gesellschaft zum Laufen bringen, die keine Großaktionäre mehr bereichert, sondern uns alle. Durch die wichtigen Erfahrungen, die von allen Streikenden in den jetzigen Arbeitskämpfen gesammelt werden, kann auch das nötige Selbstbewusstsein für viel weiter gehende zukünftige Kämpfe gesammelt werden.