Die November-Ausgabe der Unique, der Zeitung der Österreichischen HochschülerInnen­schaft (ÖH) an der Uni Wien, hat bei vielen AktivistInnen der Uniproteste Wut und Ärger hervorgerufen (wir berichteten ). Nun verweigert die Redaktion der Unique mit bürokratischen Mitteln den Abdruck von Gegendarstellungen und beschimpft KritikerInnen.

Die Vorgeschichte: In mehreren Artikeln hatte die November-Ausgabe der Unique in sehr unsolidarischer Manier die gesamte Bewegung, sowie die in ihr aktiven Organisationen verleumdet. Gleichzeitig wurden in der Unique auch sehr vehement und mit wüsten Kampfbegriffen (v.a. trotzkistische) Organisationen attackiert, die in der Bewegung mitarbeiten.

Unique: „auf Papier gepresste Politik der Universitätsvertretung“

Die Stoßrichtung der Kritik in diesen Artikeln deutet darauf hin, dass die Autorinnen der Unique sich der Strömung der so genannten „Antideutschen“ zugehörig fühlen. Diese Strömung verknüpft die Kritik am Antisemitismus untrennbar mit der Solidarität mit dem Staat Israel und macht diese Dualität zum Dreh- und Angelpunkt ihres politischen Handelns. In Folge werden alle Strömungen als antisemitisch diffamiert, die sich mit dem israelischen Staat und seiner Politik nicht solidarisch erklären. Darüber hinaus zeichnet sich diese Strömung immer wieder durch diffamierende Kritiken an linken Bewegungen aus (Mehr zu dieser Strömung ).

Die Unique allerdings ist keineswegs eine Strömungszeitung, sondern hochoffiziell „die Zeitung der HochschülerInnenschaft an der Universität Wien“. Sie ist laut ÖH-Page „die in Text geflossene, auf Papier gepresste Politik der Universitätsvertretung.“

Wir müssen also feststellen, dass die „linke Koalition“ an der Uni Wien, bestehend  aus der grünen GRAS, dem sozialdemokratischen VSStÖ und dem KPÖ-nahen KSV-LiLi, über die Audimax-Bewegung der Meinung ist: „eigentlich sollte mensch diese Wahnsinnigen diffamieren und sabotieren!“. Der VSStÖ hat sich zwar in einem Mail an die RSO von der Unique distanziert, doch müssen hier den Worten Taten folgen.

Unique-Redakteurinnen vergleichen Linke mit Nazis

Die Unique besteht darauf, ein offenes Medium zu sein: „JedeR ist gerne eingeladen, mit zu arbeiten - bei Texten, Fotos, Illustrationen.“ Diesen Aufruf wollten sich auch drei AktivistInnen der RSO nicht entgehen lassen und nahmen an der Redaktion der Jänner-Ausgabe teil. Wir verlangten den Raum für eine Gegendarstellung zu den Verleumdungen in der Unique. Offenbar unvorbereitet, wurde dem mit gespielter Freundlichkeit begegnet.

Wie zu erwarten war, wurde jedoch schon bei der nächsten Sitzung unser Artikel „ÖH-Zeitung Unique hetzt gegen Linke“ von den Redakteurinnen abgelehnt – mit fadenscheinigen Argumenten wie, dass dieser Text zu polemisch sei, Unwahrheiten enthalten würde etc. Nun, Hetzartikeln mit dümmlichen Kampfbegriffen wie „K-Sektenführer“ und „Gurus“ (für linke AktivistInnen)[1] und Aufrufe, die Audimaxbewegung zu „diffamieren und sabotieren“[2] waren für dieselbe Redaktion interessanterweise kein Problem.

Als wir auf das Prinzip der „offenen Redaktion“ hinwiesen, wurde uns geantwortet, dass „ja auch keine Burschenschafter“ (!) in der Unique schreiben dürften; linke AktivistInnen wurden also einmal mehr mit faschistischen Männerbündlern verglichen. Nichtsdestotrotz boten die Redakteurinnen uns an, einen neuen Artikel zu schreiben – jedoch sollte uns nicht mehr als eine halbe Seite Platz gewährt werden (mit der Hetze gegen die Unibewegung war die Unique-Redaktion allerdings bereit, gleich mehrere Seiten zu füllen). Wir nahmen das „Angebot“ trotzdem an – schließlich wollten wir uns nicht nachsagen lassen, es nicht versucht zu haben.

Bürokratische Methoden …

Doch nun wurden die bürokratischen Methoden verfeinert – und mit dreisten Beschimpfungen garniert. Unsere Autorin Sabine Saloschin wurde mit der Ansage, ihr neuer Text (im Anhang dokumentiert) würde „formal keiner Gegendarstellung und noch viel weniger einem Zeitungsartikel“ genügen und der Aufforderung, noch einmal die letzten beiden Unique-Ausgaben zu lesen, belehrt. 

Sabine antwortete daraufhin, dass wir den Artikel so publizieren wollen und andernfalls diesen Vorfall in der linken Öffentlichkeit bekannt machen würden. Die Antwort der Unique-Redakteurin in den nächsten beiden Mails spricht Bände für die Überheblichkeit, mit der diese Zeitung von einer kleinen Gruppe an „Antideutschen“ geführt wird.

Die Redakteurin ging schlicht zu Beschimpfungen über. Diese sollen hier im Original zitiert werden: „ (…)Weil du einen schlechten Stil schreibst? (…)  Ich habe dir im Rahmen des Redigierens notwenige Anweisungen gegeben, vielleicht hast du noch nie für eine Zeitung geschrieben, das ist ok, dass die Kritik dich dann erstmal erschreckt oder sogar verletzt. Nicht jede_r ist es gewohnt, offene Kritik an Texten zu bekommen.“

… und offene Zensur

Was die Redakteurin als „notwendig“ und „stilistisch“ bezeichnet, ist schlicht der Versuch einer politischen Zensur. Wir stellen also hiermit fest, dass die Unique kein Sprachrohr der (linken) Studierenden ist, sondern eine Strömungszeitung, die politische Zensur übt.

Ebenfalls interessant ist, wie diese Zeitung offenbar geführt wird. Denn die unglaubliche Überheblichkeit, mit der hier einer politischen Aktivistin erklärt wird, dass sie eben nicht schreiben könne, ist wirklich dreist. Sie lässt auch interessante Rückschlüsse darauf zu, wie die Unique-Redaktion mit anderen umgeht, die ebenfalls in dieser Zeitung schreiben wollen und der Redaktion nicht in den Kram passen.

Schluss mit dem Kasperl-Theater!

Natürlich geht es hier nicht um Stil. Die Redakteurinnen verstecken sich in peinlicher Manier hinter bürokratischen Tricks, um nicht sagen zu müssen, was offensichtlich ist: dass sie keine Artikel abdrucken wollen, die ihrer politischen Linie widersprechen und die Unique stattdessen weiter als Bühne ihrer Selbstdarstellung missbrauchen. Dass nun im Editorial der Januar-Ausgabe in ein paar Anmerkungen die hetzerischen Verleumdungen etwas abgeschwächt werden, macht das Ganze auch nicht besser – und die Zensur nicht weniger real.

Diese Ereignisse zeigen auch, wie es mit um den Anspruch aller „linken“ ÖH-Fraktionen steht, „kritisch“ und „(basis)demokratisch“ zu sein. Entweder sie waren an dieser Zensur selbst beteiligt oder sie unternehmen nichts dagegen. Eine weitere Lehre daraus ist, dass wir nicht auf unsere „Vertretung“ zählen und passiv abwarten dürfen, sondern selbst aktiv sein müssen.

 

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Wer der Meinung ist, dass die Mehrheitsfraktionen an der Uni Wien hier tätig werden sollten:

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Anhang

Dieser Artikel sollte in der Unique abgedruckt werden, wurde dann aber mit bürokratischen Mitteln verhindert:

 

Audimarxismus – eine Klarstellung

Die November-Ausgabe der Unique hat bei vielen AktivistInnen der Uniproteste zu Recht Wut und Ärger hervorgerufen.

In mehreren Artikeln der Unique wurden in sehr unsolidarischer Manier die gesamte Bewegung, sowie die in ihr aktiven Organisationen verleumdet. Die – berechtigte und notwendige! – Kritik an sexistischen Vorfällen und der Debatte über den Umgang mit Burschis wurde dazu verwendet, die Bewegung insgesamt anzugreifen. So lesen wir, „dass in diesem Protest voller bildungsaffiner Studis nichts Befreiendes zu finden ist“ und sogar: „eigentlich sollte mensch diese Wahnsinnigen diffamieren und sabotieren!“ Kein Wort über die Dynamik und die Selbstermächtigung tausender Studierender, praktische Solidarität und die internationale Ausbreitung. Stattdessen abgehobene Worthülsen, diffamierende Kampfbegriffe und Angriffe auf aktive Studierende. Und das soll die Zeitung unserer Vertretung sein?!

Gleichzeitig wurden in der Unique auch sehr vehement (v.a. trotzkistische) Organisationen attackiert, die in der Bewegung mitarbeiten. Eine Autorin wollte sogar die Geschichte neu erfinden und bezeichnete den russischen Revolutionär Leo Trotzki tatsächlich als „Mitstreiter Stalins“. Nur zur Klarstellung: Trotzki war der Begründer der Linken Opposition, die sich klar gegen die stalinistische Bürokratie stellte. Er wurde im Auftrag Stalins ermordet. Weiters meinte eine andere Autorin, dass TrotzkistInnen immer das Bestreben hätten, „die Führung“ von Protesten zu übernehmen. Dieser Vorwurf ist äußerst banal. Was wäre eine Bewegung, wenn nicht ein politischer Prozess, in dem alle Beteiligten (ob Individuen oder Organisationen) versuchen, ihre Meinung und Erfahrung einzubringen? Unsere Aufgabe sehen wir dabei darin, eine fundierte Analyse und eine weiterreichende Perspektive anzubieten, sowie die Notwendigkeit einer antikapitalistischen Stoßrichtung und eine Orientierung auf die ArbeiterInnenklasse zu propagieren.

Ist es also eigentlich nicht vielmehr so, dass die Autorinnen dieser Artikel glauben, dass nur sie alleine wissen, was „richtig“ ist? Statt sich an der Bewegung zu beteiligen oder dort politische Positionen hineinzutragen, fällen sie pauschalisierende Urteile und geben sich lieber als zynische KommentatorInnen.

So eine abgehobene Position einzunehmen steht uns äußerst fern. Eine Bewegung wird nicht dadurch aufgebaut, sich von allem abzuwenden was nicht als 100% richtig angesehen wird und stattdessen von außen verleumderische Kommentare zu schieben. Die Bewegung ist nicht nur ein Zeichen dafür, dass Widerstand in diesen Zeiten möglich ist, sondern es haben sich dadurch viele StudentInnen politisiert, die sich vermutlich auch in Zukunft an Widerstand und Kämpfen beteiligen werden. Dies ist wohl eine der wichtigsten Errungenschaften der Bewegung, denn eine neue Welt wird nicht an einem Tag gebaut.

Sabine Saloschin (RSO Wien Unigruppe)