Wolfgang Schüssels Ankündigung, Flüchtlinge in der Trollmannkaserne im oberösterreichischen Steyr unterbringen zu wollen, hat in der Stadt zu großer Aufregung geführt. An der Spitze der Proteste: SP-Bürgermeister Forstenlechner

Es ist verständlich, wenn Menschen, die ausschließlich Informationen aus Massenmedien beziehen, nur Negatives mit den Worten Flüchtlinge und AsylantInnen verbinden: eine Horde von Gesindel, VerbrecherInnen, ... So geschehen in Steyr, der Eisenstadt an der Enns.

Dort haben sich nach Bekanntwerden des Ansinnens des Bundeskanzlers, in der Steyrer Trollmannkaserne 200 Flüchtlinge unterzubringen, spontan vor dem Haupteingang dieser Kaserne einige AnrainerInnen eingefunden und dagegen protestiert. (Im Bewusstsein, am nächsten Tag medienwirksam in der "Krone" abgebildet zu sein.) Offen bleibt, wie groß nun tatsächlich die Abneigung der SteyrerInnen ist.

Erschreckend war in diesem Zusammenhang die Reaktion des Steyrer SP-Bürgermeisters, David Forstenlechner. Dieser stimmte in die Hysterie ein und kündigte einen "Riesenaufstand" an. Was für ein Politiker! Ein Aufstand wegen 200 Menschen, die in eine 40.000 EinwohnerInnen zählende Stadt kommen. Die Trollmannkaserne als Wohnort für Flüchtlinge wurde von allen Steyrer Parteien und Teilen der Bevölkerung mit der Begründung abgelehnt, kein Ghetto vor der Haustür haben zu wollen. Doch die Gebäude der Kaserne sind in gutem, baulichen Zustand, zwischen den Gebäuden bestehen große Abstände und zur Kaserne gehört eine großzügige, parkähnliche Grünfläche.

In diesem Komplex von Gebäuden haben etwa 800 Menschen Platz haben, jedoch sind nur 200 Flüchtlinge vorgesehen. Das heißt, es besteht auf dem Areal der ehemaligen Trollmannkaserne durchaus ein Lebensraum für 200 Menschen mit Werkstätten und landwirtschaftlich nutzbaren Flächen, sofern die Möglichkeiten dazu gegeben werden. Eine Öffnung des Geländes nach allen Seiten durch Abmontage des Zauns, Spazierwege durch diese verkehrsberuhigte Zone und andere Maßnahmen könnten die Lebensqualität in diesem vom Verkehr gequälten Stadtteil weiter verbessern.

Natürlich sind ehemalige Kasernen grundsätzlich kein geeigneter Ort für Flüchtlinge. Eine sinnvolle Integration passiert nicht, wenn Flüchtlinge in größeren Gruppen abgeschottet von der ortsansässigen Bevölkerung leben müssen sondern dann, wenn sie die Möglichkeit haben, real am Ortsgeschehen teilzunehmen und Haus an Haus mit "Einheimischen" zu leben. Doch war es wohl nicht die Sorge um das Wohl der Flüchtlinge, die den Bürgermeister zum Aufstand rufen ließ ...