Verschleierung, Zwangsehe, Ehrenmorde, Frauenhandel… Diese Formen von Gewalt gegen Frauen sind in den letzten Jahren verstärkt in politischen Diskussionen aufgetaucht. Der Haupttenor richtet sich gegen diese Formen „traditionsbedingter“ Gewalt und verbindet diese Kritik mit einer an „der Kultur“, die diese Gewalt angeblich hervorbringt. Diese marxistische Positionierung haben wir vor 10 Jahren geschrieben, das Thema ist wieder oder immer noch aktuell, unsere Positionen auch.

Bei diesem Themenkomplex geht es nicht bloß um Frauenunterdrückung, sondern auch um Migration, Rassismus und kulturelle „Werte“. In diesem Rahmen kann keine erschöpfende Behandlung dieser Themenbereiche geboten werden. In diesem Artikel versuchen wir die Grundlinien herauszuarbeiten auf denen Kultur und Geschlechterverhältnisse aufeinander wirken und wie sie demnach untersucht werden können. Dabei nehmen wir im Besonderen die Situation von MigrantInnen in Österreich in den Blick.

Sogar rechtspopulistische Parteien schreiben sich anscheinend mittlerweile die Frauenbefreiung auf die Fahnen und wollen die „abendländische“ Kultur vor den „gewalttätigen, patriarchalen“ Kulturen des Ostens beschützen. Erinnert sei hier etwa an die FPÖ-Spitzenkandidatin Susanne Winter, die im Grazer Wahlkampf im Jänner 2008 mit ihrer Äußerung für Aufregung sorgte, dass der Prophet Mohammed, weil er eine Sechsjährige geheiratet habe, heute als Kinderschänder gelten würde. Kurz darauf legte sie nach und redete von einem „weitverbreiteten Kindesmissbrauch durch islamische Männer“.

Jörg Haider machte sich in einem Falter-Interview dafür stark, dass muslimische Frauen das Kopftuch „nicht mehr tragen müssen.“ Der Zwang dazu würde der Scharia die Tür aufmachen.  Weiter heißt es ganz besorgt: „Die Frauen sind doch froh, wenn sie dieses blöde Kopftuch nicht tragen müssen. Die haben auch gerne eine schöne Frisur. Sie schminken sich gerne und sie gehen gerne ins Theater.“  Auch HC Strache, der voll hinter dem traditionellen Frauen- und Familienbild steht, setzt sich stark für Frauenrechte ein und fordert die „Befreiung jener Mädchen, die von ihren in archaischen Stammesstrukturen denkenden Familien gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen“

Einige österreichische Ministerinnen stellten 2006 eine Broschüre mit dem Titel „Maßnahmen gegen traditionsbedingte Gewalt gegen Frauen in Österreich“ zusammen. Maria Rauch-Kallat gibt hier zum Beispiel eine Definition von Ehrenmorden zum Besten: „Bei Ehrenmorden handelt es sich um Verbrechen, die vor allem in den patriarchalischen Gesellschaften des Nahen Ostens, in Pakistan und in einigen Gebieten Lateinamerikas verbreitet sind.“ Und Ursula Haubner spricht im Zusammenhang mit Gewalt in Minderheitsgesellschaften von „Bräuchen und Sitten anderer Länder“. In eben diesem Zusammenhang verwendete Liese Prokop auf einer halben Seite (!) gleich fünfmal den Begriff „rituell“ in Bezug auf sexualisierte Gewalt.

Klar ist, dass diese rechten „FrauenbefreierInnen“ nie eine Beseitigung von sexistischen und/oder anderen Unterdrückungsformen im Sinn haben. Es geht uns in diesem Text aber nicht vor allem darum, deren vermeintlich „gute Absichten“ zu entlarven, sondern dieser staatlich-institutionellen Frauen„befreiung“ (die bei berechtigten Hoffnungen von Frauen anknüpfen) eine revolutionäre Perspektive des Kampfes gegen alle Formen der Unterdrückung gegenüber zu stellen.

Wie können nun aber dennoch diese Formen von Gewalt gegen Frauen zurückgewiesen und bekämpft werden ohne dabei in ein rassistisches Fahrwasser zu kommen? Sich einfach abstrakt auf die Seite aller Unterdrückten zu stellen (auch wenn sie in dieser Abstraktheit richtig ist) hilft in diesem Fall auch nicht viel weiter, da es gilt eine Positionierung unter konkreten Umständen vorzunehmen. Um das zu machen muss man/frau sich zuerst einmal die Frage stellen, welche Rolle Kultur nun für Gewalt gegen Frauen und Frauenunterdrückung allgemein spielt.

Kultur und Ideologie

Kultur existiert nicht neben anderen gesellschaftlichen Widersprüchen und ist keine außer bzw. oberhalb der Gesellschaft schwebende Instanz. Sondern ist nur aus der widersprüchlichen Entwicklung der materiellen Verhältnisse und Kräfteverhältnisse erklärbar und muss demnach auch in diesem Kontext betrachtet werden. Kultur ist sowohl eine  Struktur einer bestimmt ausgeformten Art und Weise des Zusammenlebens, als auch das Feld auf dem Menschen darüber reflektieren. Gerade weil Kultur durch die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse geprägt ist, kann sie nicht einfach als neutrale Instanz betrachtet werden. Die Menschen sind ihren Normen und Zwängen unterworfen, reproduzieren diese aber gleichzeitig auch selbst. Kultur wirkt dabei also nicht unabhängig von den Handlungen einzelner Menschen, darf aber auf keinen Fall auf diese reduzierbar werden, sondern muss als gesellschaftliche Struktur gesehen werden. Sie ist dabei aber nicht nur normierend, sondern durch unterdrückerische kulturelle Formen und Praktiken werden außerdem gesellschaftliche Widersprüche legitimiert und verdeckt.

Zusammenfassen kann man/frau also sagen, dass Kultur etwas historisch Gewordenes und ständig Werdendes ist und durch gesellschaftliche Widersprüche und Kräfteverhältnisse beeinflusst bzw. geformt wird. Die Propaganda vom „Kampf der Kulturen“ soll uns aber glauben machen, dass kulturelle Vorstellungen etwas den Menschen eines bestimmten „Kulturkreises“ Innerliches ist. Demnach sei es nicht eine bestimmte historische Entwicklung, die zur Herausbildung von unterschiedlichen Kulturen geführt hat, sondern das unterschiedliche Wesen von Menschen bestimmter Kultur„kreise“. Um auf dieser Grundlage die Entstehung von unterschiedlichen Kulturen überhaupt nachvollziehen zu können, muss auf reichlich reaktionäre Erklärungen zurückgegriffen werden. Viel mehr als die Schaffung durch eine göttliche Intervention oder ein bestimmten Menschengruppen innewohnendes Verhalten, d.h. letztlich eine rassentheoretische Herleitung, bleibt da nicht übrig.

Diese essentialistische Konstruktion von Kultur erfüllt für die herrschende Klasse dabei mehrere Aufgaben. Wenn nämlich sämtliche Konflikte auf kulturelle Faktoren zurückgeführt werden, können diese als externe Faktoren gesehen werden, die nicht innerhalb von Gesellschaften bestehen, sondern nur zwischen unterschiedlichen Kulturen. Es werden damit Klassen- und Herrschaftsverhältnisse innerhalb jeder Gesellschaft verschleiert und verneint und die Rolle der tatsächlich Herrschenden verdeckt. Als solche haben diese natürlich ein Interesse an der Aufrechterhaltung des Status Quo und ihrer Privilegien. Da die Herrschaft einer kleinen Minderheit über die große Mehrheit aber nun kein an sich dauerhafter Zustand ist, gilt es diesen zu legitimieren und/oder zu verdecken.

Hier kann auch die Frage gestellt werden warum diese Debatte nun ausgerechnet jetzt eine solche Verbreitung findet? Denn Migration und die Existenz von unterschiedlichen Kulturen waren schon immer Teil der Menschheitsgeschichte. Die vermeintlich neuen Auswirkungen der „Globalisierung“ werden auch hier, wie so oft, als unhinterfragte Begründung für die Entdeckung von „neuen“ „Phänomenen“ herangezogen. Wenn man/frau den Diskurs des „Kampfes der Kulturen“ in Zusammenhang mit dem „Krieg gegen den Terror“ sieht, treten die eigentlichen Absichten dahinter dann doch recht deutlich zu Tage.

Auch wenn zwar die USA darin der Hauptakteur sind, können politische Auswirkungen dennoch auch in Europa und Österreich festgemacht werden. Und zwar auf unterschiedliche Art und Weise. Erstens wird so die westliche Welt, als ein durch bestimmte Werte geeinter Kulturkreis und fast schon monolithischer Block, propagiert. Zweitens verbreitet diese Debatte die Vorstellung von Kultur als der zentralen gesellschaftlichen Konfliktebene. Dieser Punkt ist insofern relevant, weil im Zuge dessen erst bestimmt wird, was als gesellschaftliche Probleme und Konflikte wahrgenommen wird und was eben nicht. Drittens ist dabei auffällig, dass obwohl vorgegeben wird, dass es hier um Kultur(en) allgemein geht, der Fokus ganz stark und eindeutig auf dem Konflikt zwischen „dem“ Osten, der stark mit „dem“ Islam identifiziert wird, und „dem“ Westen liegt.

Physische und psychische Gewalt

In dieser Diskussion wird schon bei der Definition von Gewalt gegen Frauen ein sehr problematischer Zugang offensichtlich. Dabei wird nämlich unter Gewalt nur die physische Einwirkung auf eine Person behandelt und alle Formen der psychischen und geistigen Gewalt bleiben unsichtbar bzw. werden als harmlos hinten angestellt. Geschlechtsbedingte Gewalt inkludiert aber auch gerade gesellschaftliche Zuschreibungen und Zwänge. Eine Trennung zwischen physischer Gewalt auf der einen Seite und Geschlechterverhältnissen und Rollenbildern auf der anderen Seite führt zu einem völlig falschen Verständnis dieses Problems. Denn die Grundlage, auf der Männer in der Kleinfamilie Gewalt gegen „ihre“ Frauen ausüben (können), bieten ja gerade die Stellung und Rolle, die Frauen in der Gesellschaft einnehmen. Gewalt darf also nicht nur als direkte Handlung einer Person, sondern muss als gesamtgesellschaftliches Problem gesehen werden. Noch einmal muss also darauf hingewiesen werden, dass Geschlechterverhältnisse nicht auf Einzelfälle reduzierbar sind, sondern eine strukturelle und historisch institutionalisierte Unterdrückung der Frau darstellen.

Indem nun aber die rechten WortführerInnen in dieser Diskussion Frauenunterdrückung in erster Linie auf physische Gewalt beziehen und die Gründe dafür noch dazu in der Kultur „der anderen“ ausmachen, propagieren sie sowohl Rassismus als auch ein völlig verengtes Verständnis von Frauenunterdrückung. Diese „traditionsbedingten“ Gewaltformen werden als „importiert“, d.h. von außen an die Mehrheitsgesellschaft herangetragen und ihr fremd, dargestellt. Demnach wird dann auch der Grund für sexistische Unterdrückungs- und Gewaltpraktiken in „der“ jeweiligen Kultur gesucht und nicht in der Existenz von ungleichen Geschlechterverhältnissen selber. Zwar schafft Kultur eine spezifisch ausgeprägte Form der Gewalt gegen und Unterdrückung von Frauen, doch sind geschlechtliche Ungleichheiten nicht einfach auf „die“ Kultur reduzierbar. Kultur ist wie gesagt nichts über oder neben den gesellschaftlichen Widersprüchen stehendes, sondern gerade ein spezifischer Ausdruck derjenigen.

Durch diese Sichtweise wird auch Sexismus in „westlichen“ Gesellschaften verneint bzw. verharmlost und das fehlende Bewusstsein darüber (sowohl von Frauen als auch Männern) als tatsächliches „Fehlen“ von Sexismus ausgegeben. Als eine zentrale „Begründung“ dafür wird die angebliche Fortschrittlichkeit und Aufgeklärtheit der „westlichen“ Demokratien herangezogen: durch die Werte „unserer“ Gesellschaft und die BürgerInnenrechte existiere Frauenunterdrückung ohnehin nicht wirklich und „kleine“ Ungleichheiten würden ja rasch beseitigt werden können. Die rückständigen, barbarischen und patriarchalen Werte und Normen des „Ostens“ hingegen seien eine Bedrohung für die „aufgeklärte“ Kultur des „Westens“. Damit wird die „fortschrittliche“ und „vernünftige“ bürgerliche Demokratie als der Höhepunkt und das Ende der Menschheitsgeschichte ausgegeben und jegliche Kritik müsse demnach innerhalb dieses Rahmens stattfinden. Und „ExpertInnen“ wissen ja ohnehin am Besten bescheid wissen und sagen uns was wir (bzw. Frau) denken und fühlen soll(en).

Das bevormundet sowohl Frauen des „Westens“ als auch des „Ostens“ dabei, was sie als unterdrückerisch oder gewaltförmig zu empfinden haben. In einigen Bereichen ist die Schwierigkeit einer „objektiven“ Festlegung besonders deutlich: Kann überhaupt zwischen Zwangsheiraten aufgrund von (religiös-)kulturellen Vorstellungen oder materiellen Zwängen (die genauso auf Frauen in „westlichen“ Gesellschaften wirken) unterschieden werden? Wirken nicht auch im „Westen“ genauso Idealvorstellungen über Verhalten und Wesen „der“ Frau und üben implizit und explizit Druck aus? Wie kann (bzw. kann überhaupt) eine Trennlinie zwischen Eingriffen in die körperliche Integrität von Frauen aufgrund von (religiös-)kulturellen Traditionen und Schönheitsidealen gezogen werden? Sind nicht auch in der „westlichen“ Welt viele Frauen von physischer Gewalt betroffen?

Frauen werden durch diese Bevormundung nicht nur in die passive Opferrolle gedrängt, sondern dadurch wird auch verdeckt, dass die Definition von dem, was als Frauenunterdrückung gilt, überhaupt erst „kulturell“ festgelegt wird. Eine Kritik an diesen rechten „FrauenbefreierInnen“ darf jedoch nicht auf einer theoretischen Ebene stehen bleiben, sondern muss ihre tatsächliche Rolle für die Aufrechterhaltung von ungleichen Geschlechterverhältnissen beleuchten. Mit der Situation in Österreich und die Rolle der herrschenden Klasse und ihrer PolitikerInnen haben wir uns im Artikel Gewalt gegen Frauen auseinandergesetzt. Zusätzlich zu diesen Faktoren kommt noch hinzu, dass gerade rechte, bürgerliche PolitikerInnen die bürgerliche Familie als natürliches Idealbild zeichnen. Welche Rolle Frauen in diesem Zusammenhang zugeschrieben wird, gilt es wohl nicht näher zu beschreiben.

Die Situation von MigrantInnen

Um verschiedene sexistische Unterdrückungsmechanismen, die auf migrantische Frauen wirken, verstehen zu können, bedarf es einer Auseinandersetzung mit deren tatsächlicher Lebensrealität. Migrantische Frauen sind meist noch viel stärker von schlecht bezahlter Lohnarbeit abhängig als es „einheimische“ Arbeiterinnen sind. Der oft unsichere Aufenthaltsstatus und rassistische Schikanen (keine Arbeitsbewilligung, Deutsch als Amtssprache, kein Wahlrecht…) tragen genau zu dieser Abhängigkeit bei. An dieser Stelle treffen sich Sexismus und Rassismus und liefern den KapitalistInnen die Grundlage für noch höhere Profite. Viele Jobs von Migrantinnen sind nicht nur prekär und schlecht bezahlt, sondern finden im informellen Sektor statt. Migrantischen Frauen sind also oft im „Unsichtbaren“ tätig, wie etwa in Privathaushalten oder Großküchen. Diese Illegalisierung bedeutet für sie ein großes Risiko, da eine solche Form der Lohnarbeit kaum Schutz vor Überausbeutung und Gewalt bietet. Diese prekäre Beschäftigungssituation von Migrantinnen führt auch dazu, dass sie anderen Unterdrückungsformen viel wehrloser gegenüber stehen.

Wie die herrschende Klasse direkt diese Abhängigkeit herstellt und fördert wird auch bei den Zuwanderungs- und Asylgesetzen allgemein sichtbar. Ein ganz extremes Beispiel sind Frauen, die über Familienzusammenführung nach Österreich kommen und dabei eben nur durch ihren Mann, den so genannten „Ankerfremden“, berechtigt sind im Land zu bleiben. Bei Straffälligkeit (des Partners) wird die Aufenthaltsbewilligung - meist für die gesamte Familie!! – aufgehoben. Hier kann die Frage gestellt werden, wer hier jetzt eigentlich sexistische Strukturen und Abhängigkeit in migrantischen Familien (re)produziert? Diese Gesetze sind nicht nur deswegen extrem sexistisch, weil Frauen hier in direkte Abhängigkeit von „ihren“ Männern geraten, sondern auch weil sie dadurch über „ihren“ Mann definiert werden. Es gibt demnach einige Faktoren, die es vielen Migrantinnen faktisch verunmöglichen aus Gewaltverhältnissen auszubrechen.

Diese strukturellen Verhältnisse, die auf Migrantinnen einwirken, werden durch Ausgrenzung von Minderheiten und Rassismus noch wesentlich verstärkt. Dieser Punkt ist gerade dann zentral, wenn es um die (Rolle der) Kultur geht. Diese kann wie gesagt nicht als einfach existierend oder dem „Wesen“ bestimmter Menschen innerlich gesehen werden. Sie bildet sich gerade erst in Auseinandersetzung und Abgrenzung zur Kultur der Mehrheitsgesellschaft, d.h. auch Rassismus, kultureller Chauvinismus…, heraus. Die Schaffung einer migrantischen Subkultur ist gerade Ausdruck eines Versuchs, den unterdrückerischen Zuschreibungen und Praktiken der Mehrheitsgesellschaft zu entkommen.

Gewalt durch Kultur?

Klar ist, dass sich Gewalt gegen Frauen nicht auf physische Handlungen und andere Kulturen reduzieren lässt. Eine Kritik daran darf also nicht an kulturellen Linien verlaufen, sondern muss auf Geschlechter- und Klassenverhältnissen aufbauen. Die Beschränkung auf „die“ Kultur der „Anderen“ ist also nicht nur Ausdruck eines mangelnden und beschränkten Verständnisses von Frauenunterdrückung, sondern auch rassistisch. Natürlich ist nicht jede Kritik an sexistischen Praktiken und Normen in anderen Kulturen per se rassistisch. Diese ist notwendig, darf aber nicht dabei stehen bleiben, sondern muss genauso Kritik an Frauenunterdrückung in der eigenen Kultur bzw. anderen Unterdrückungsformen (wie Rassismus) insgesamt beinhalten. In diesem Zusammenhang gilt es aber auch Idealisierungen von Kulturen, etwa als „ursprünglich“, zurückzuweisen.

Bei einer Kulturalisierung dieses Problems werden auch die strukturellen Faktoren, die es vielen Migrantinnen verunmöglichen aus Gewaltverhältnissen auszubrechen, unter den Tisch gekehrt. Sie werden dabei nur als Opfer dargestellt und der migrantische Mann zum typischen Patriarchen hochstilisiert. Sexistische Gewalt (und Sexismus allgemein) ist also kein Problem, das in MigrantInnen-Familien per se häufiger vorkommt, als in österreichischen. Die Lage der Frauen ist aber dennoch meist eine andere.

Für Frauenbefreiung! Gegen Rassismus und Kapitalismus!

Die vermeintliche Sorge von (rechten) bürgerlichen PolitikerInnen über die Situation der Frauen insgesamt und in anderen „Kulturkreisen“ im Besonderen muss als verlogene Heuchelei, rassistisch und kultur-chauvinistisch zurückgewiesen werden. Grade sie sind für Sexismus und Abhängigkeiten verantwortlich. Dennoch gilt es jegliche (sexistische) Unterdrückungsmechanismen zu kritisieren und zu bekämpfen. Eine Kritik an solchen in anderen Gesellschaften und Kulturen muss aber immer mit einer Kritik an diesen in der „eigenen“ Kultur und Gesellschaft einhergehen.

Die Aufgabe für MarxistInnen im „Westen“ ist daher vor allem der Kampf gegen die „eigenen“ Herrschaftsverhältnisse und Solidarität und Unterstützung für die Kämpfe von Unterdrückten in anderen Ländern. Nur so kann auch ein paternalistischer, bevormundender Zugang vermieden werden, der  Frauen nur als bedauernswerte Opfer darstellt. Für einen Kampf gegen alle Formen der Gewalt an Frauen bedarf es auf alle Fälle der Einbindung und „Aktivierung“ der Betroffenen selbst. Es kann nicht um eine bevormundende Aufklärung von außen gehen, sondern das Ziel muss die Selbstorganisierung sein. Die Perspektive darf sich jedoch nicht auf Verbesserungen im Rahmen des Kapitalismus beschränken, da die KapitalistInnen ein doppeltes Interesse am Weiterbestehen von Frauenunterdrückung und Sexismus haben.