Linke Theorie

1. Unter Islamismus fassen wir die Kräfte, die die moslemische Religion als politisches Programm und politische Bewegung auslegen und formieren. Sie kombinieren in ihrer Ideologie in der Regel eine Ablehnung des westlichen Einflusses mit einem Rückgriff auf (meist reaktionäre) Elemente vorkolonialer Kultur. Sie sind immer rabiate Feinde von Arbeiter/innen/bewegung, Frauenbefreiung und Sozialismus. Das gilt sowohl für die islamistischen Regime in Saudi-Arabien, dem Iran, Afghanistan und dem Sudan als auch für die islamistischen Bewegungen in Ägypten, Algerien, Palästina, Indonesien und der Türkei.

I.       Grundlegendes zum Charakter der Halbkolonien

1.     Der Kapitalismus hatte im 19. Jahrhundert zu einer rasanten Expansion der Produktivkräfte geführt. Mit dem Ende des 19. Jahrhunderts stieß diese an ihre Grenzen. Die Konzentration der Produktion und des Kapitals führten zum Aufstieg von Monopolen, die die freie kapitalistische Konkurrenz immer stärker aushöhlten; das Bank- und das Industriekapital verschmolzen zum Finanzkapital, das einen entscheidenden Einfluss auf den Staatsapparat gewann; der Kapitalexport gewann gegenüber der Warenausfuhr zunehmende Bedeutung; internationale Monopole teilten sich die Absatzmärkte, die Bodenschätze, ganz allgemein die Ressourcen des Planeten entsprechend den gegebenen Kräfteverhältnissen unter sich auf; und die territoriale Aufteilung der Erde unter die Konzerne und die mit ihnen verbundenen kapitalistischen Mächte wurde im Wesentlichen abgeschlossen – kurz gesagt, der klassische Konkurrenzkapitalismus wurde durch den Imperialismus abgelöst, der Kapitalismus ging über in sein imperialistisches Stadium.

Bis heute ist die kapitalistische Gesellschaft dementsprechend nicht nur durch den grundlegenden Gegensatz Kapital/Arbeit charakterisiert, sondern auch durch den Gegensatz der entwickelten imperialistischen Länder und der vom Imperialismus dominierten Halbkolonien, der imperialisierten Länder, bestimmt.

Einleitung: Im deutschsprachigen Raum, stärker als in anderen Ländern der Welt, ist die subjektiv revolutionäre Linke heute von der ArbeiterInnenklasse weitgehend isoliert. Sie verfügt de facto über keine Verankerung in Betrieben und stellt in der Folge in den Gewerkschaften keinen relevanten Faktor dar. Für marxistische RevolutionärInnen stellt dieser Zustand eine dramatische Schwäche dar. Er hat eine Reihe von bedeutenden objektiven Ursachen: Faschismus, Kalter Krieg, „Wohlfahrtsstaat“, Sozialpartnerschaft etc. Dieser gesamtgesellschaftliche Rahmen erschwert revolutionäre Betriebs- und Gewerkschaftspolitik massiv muss bei Entscheidungen für oder gegen eine solche Politik stets mitbedacht werden und kann nicht voluntaristisch überwunden werden. Dennoch spielt auch die Politik der subjektiv revolutionären Linken eine Rolle, wobei es in der gegebenen Situation schwierig ist, einen Weg zwischen ultralinkem Abenteurertum und opportunistischer Handwerkelei zu finden.

Dieser Text stammt aus dem Jahr 2004. Seitdem haben sich einerseits bestimmte Bedingungen geändert, andererseits haben wir auch neue Erfahrungen gemacht. Diese drücken sich in unseren Stellungnahmen zur Ausrichtung der Linken und in Artikeln in unserer Rubrik Betriebsarbeit aus. Auch wenn wir manchen Aspekten und Formulierungen so nicht mehr zustimmen können, verweisen wir hier auf einen Text, der uns in unserem Handeln gegenüber der ArbeiterInnenklasse eine Orientierung gegeben hat.