Die französische Revolution ist ein bedeutendes Ereignis, dass mitbestimmend ist für die heutige gesellschaftliche Ordnung - denn seit diesem Zeitpunkt beherrscht und bestimmt die bürgerliche Klasse die Politik aller Industrienationen.

Das Jahr 1789, das Jahr, in dem die Bastille gestürmt wurde, markiert gleichzeitig den Beginn des Bruches mit der Monarchie auf dem europäischen Festland. Um zu wissen, warum diese Revolution überfällig war und warum die Menschen unzufrieden mit dem feudalistischen System waren, ist es notwendig, die Situation der Menschen im Frankreich des 18. Jahrhunderts zu betrachten. In Frankreich lebten ungefähr 25 Millionen Menschen. 23 Millionen davon waren Bäuerinnen und Bauern bzw. arbeiten in diesem Bereich als Knechte und Mägde. Weitere rund zwei Millionen waren Handwerker, Händler, niedere Beamte, Rechtsanwälte und Manufak-turarbeiterInnen. Die oben genannten Gruppen waren alle dem dritten Stand zuzuordnen. Der verschwindend kleine Rest der sogenannten Geistlichen und Adeligen bildete den ersten und den zweiten Stand.

 

Ausquetschen der Bauern

Die Bauernschaft hatte massive Abgabenlasten zu tragen. Ein Viertel der Ernte ging an den Gutsbesitzer, ein Zehntel an die Kirche, fünf Prozent an König Ludwig XVI. Außerdem mussten sie noch eine Kopfsteuer, indirekte Steuern und eine Salzsteuer zahlen. Damit sich letztere für den König auch lohnte, musste jede/r Bäuerin/Bauer mindestens 3,5kg Salz pro Jahr kaufen. Weiterhin galt es, Transportabgaben, Brückenzölle und Mahl- und Backgebühren zu bezahlen. Junge Männer, die eine Lehre beginnen wollte, waren abhängig von der Entscheidung der jeweiligen Zunft und mussten bei positiver Entscheidung Lehrgeld bezahlen sowie für Kost, Verpflegung und Dokumentengebühren aufkommen. Ebenso waren auch Händler, Industrielle und andere Bürgerliche zu massiven Steuerzahlungen verpflichtet.

Die hohen Steuern, die der 3. Stand bezahlen musste, finanzierten sowohl die königliche Berufsarmee (das damals größte "stehende Heer" Europas) als auch das feudale Leben am Hofe des Königs (4.000 Adelige lebten dort, um an den Festen teilzunehmen), in den Schlössern der Fürsten und den Residenzen der Bischöfe.

Millionen Opfer durch Hungersnot

Das reichte alles noch nicht, um die Zeit für eine Revolution reif werden zu lassen. Doch im Jahre 1788 ereilte das Land eine fürchterliche Hungersnot, die Millionen Menschen das Leben kostete. Den König interessierte das weniger. Seine Frau, die Habsburgerin Marie-Antoinette, soll angeblich sogar auf die Aussage, dass die Menschen kein Brot mehr hätten, mit dem berühmten Zitat, dass diese dann doch Kuchen essen sollten, geantwortet haben. Der König hatte ein ganz anderes Problem. Sein Premierminister hatte ihm mitgeteilt, dass der Staat Frankreich bankrott sei. Die seit 1774, dem Amtsantritt Ludwig XVI, immer wieder bestehenden Versuche, Adel und Klerus, Steuern abzu-verlangen, scheiterten an deren Macht und führten immer dazu, dass der Premier, der den Vorschlag gemacht hatte, auf ihren Druck vom König entlassen wurde.

Die Revolution war überfällig

Die hohen Steuern, die Hungersnot, der Staatsbankrott und vor allem das gestiegene Selbstbewußtsein des Bürgertums (Bourgeoisie), das sich in politischen Forderungen ausdrückte, waren die Voraussetzungen für die Revolution. Die Zeit war reif für gravierende Änderungen des gesellschaftlichen Systems. Die weitere Entwicklung des Kapitalismus setzte die Beseitigung der absolutistisch-feudalen Gesellschaftsordnung voraus. Alternative Ideen begeisterten das Bürgertum. Die Überlegungen und Theorien von Voltaire, Rousseau und Montesquieu gewannen Jahre nach deren Tod immer mehr AnhängerIn-nen bei den gebildeten Schichten (mehr dazu auf Seite 19).

Um wenigstens eine Möglichkeit zu haben, den Staatsban-krott abzuwenden, musste der König die vor 150 Jahren zu-letzt tagende Generalstände-versammlung einberufen. Mit deren Hilfe wollte er eine höhere Abgabenlast für das reiche Bürgertum durchsetzen. In dieser Versammlung waren von jedem Stand 300 Abgeordnete vertreten. Der dritte Stand empfand sich ungerecht vertreten und bestand auf eine Verdopplung der Mandatsträger. Schließlich repräsentierte er 96% der damaligen Bevölkerung. Während dieser Versammlung verkündete König Ludwig XVI, daß er kein Interesse an Veränderungen gesellschaftlicher Art habe und forderte die Abgeordneten des dritten Standes auf, ihm neue Kredite zu gewähren.

Die Abgeordneten des dritten Standes, hauptsächlich bestehend aus Rechtsanwälten, Industriellen, Handwerkern und einigen freien Bauern, sahen ihre Chance in dieser Schwäche und Abhängigkeit des Königs, um ihre Rechte auszubauen und entschlossen sich, sich ohne die anderen Stände solange zu treffen, bis sie eine Verfassung für Frankreich ausgearbeitet hätten. Sie versammelten sich in einem ehemaligen Ballhaus und bildeten die Nationalversammlung. In dieser Situation hatten sie auch den Rückhalt der großteils hungernden Massen hinter sich.

Die Boykottierung der Nationalversammlung durch den König und die Entlassung des Ministers Neckar, der sich für die Besteuerung des Adels und der Kirche einsetzte, führte zu Aufständen in Paris, die am 14. Juli 1789 mit der Erstürmung des Pariser Stadtgefäng-nisses "Bastille" ihren Höhepunkt fanden (obwohl dieser Akt inzwischen als historisch umstritten gilt). Mit diesem Tag begann die französische Revolution. Die alten Machtverhält-nisse hatten sich nun grundlegend geändert. Die Stadtverwaltung und auch die Pariser Nationalgarde wurden der Nationalversammlung überstellt.

Doch diese Veränderungen lösten nicht das Problem der Nahrungsmittelknappheit. Die Bevölkerung von Paris traute dem König nicht. Resolut wurde dieser im Oktober des Jahres von den BürgerInnen vom Schloß Versailles nach Paris gebracht, um dem Plan des Königs, die Nationalversammlung mit Waffengewalt aufzulösen, zu vereiteln.

Menschenrechte

Die Nationalversammlung verkündete im Oktober 1789 die allgemeinen Menschenrechte, auf deren Basis die Verfassung ausgearbeitet werden sollte. Die Prinzipien der Menschenrechte lauteten, dass jeder das Recht haben solle, frei zu sein, alle vor dem Gesetz gleich sein sollten, die Stände abgeschafft seien, das Volk die einzige Quelle der Macht sei und die Natur die Menschen frei und gleich geschaffen habe. (All diese Menschenrechte galten aber nur für Männer.) Im letzten Punkt der Erklärung wurde deutlich, welche Veränderung keineswegs angestrebt wurde: "Das Eigentum ist unverletzliches und geheiligtes Recht."

Im Jahre 1791 wurde die auf den Menschenrechten aufbauende Verfassung angenommen, jedoch wurden drastische demo-kratiepolitische Einschränkungen in Kauf genommen. Auch die Monarchie blieb bestehen - dem König verblieb sogar ein Vetorecht mit aufschiebender Wirkung. Entgegen der Erklärung von 1789 gliederte die Verfassung die Bürger in "aktive" und "passive", d.h. solche, die das Recht hatten, zu wählen, und solche, denen es entzogen war. Frauen hatten kein Wahlrecht. Zur Zahl der Aktiven wurden nur die wohlhabenden Bürger gerechnet, die Steuern zahlten. Nur die aktiven Bürger wurden in die "Gesetzgebende Versammlung" und in die Organe der städtischen Selbstverwaltung gewählt. Nur sie konnten in die Nationalgarde eintreten.

Die Zünfte und die Reglementierung der Industrie wurden abgeschafft. Die Binnenzölle hob man auf. Die Gerichte der Grundherren wurden durch Geschworenengerichte ersetzt. Die Juden und Jüdinnen wurden befreit von diskriminierenden gesetzlichen Beschränkungen. Die beschlagnahmten Ländereien der Geistlichkeit wurden zum Nationaleigentum erklärt und zum Verkauf angeboten, Kirche und Klöster verloren ihren Grundbesitz, Geistliche erhielten vom Staat Gehälter. Gleichzeitig offenbarte sich auch der bürgerliche Charakter der Verfassung. Der Zusammenschluß der Arbeiter-Innen zu Berufsverbänden wurde unter Strafe gestellt. Urheber und Teilnehmer von Streiks wurden bestraft. In den Kolonien wurde die Sklaverei beibehalten, die wesentlichen Feu-dallasten der Bauern/Bäuerinnen nicht abgeschafft.

Marat - Freund des Volkes

Diese Verfassung sorgte für heftige Diskussionen. Der Widerstand formierte sich. Der bekannteste Widerständler war der Arzt Jean-Paul Marat. Zu Beginn der Revolution gehörte der gebildete Kleinbürger Marat nicht zu den ein-flussreichen Kreisen. Doch bereits 1789 vertrat er sozialistische Ideen, die in der von ihm herausgegebenen Zeitung "l'Ami du peuple" (Freund des Volkes), die von 1789 bis 1793 erschien, deutlich wurden. Im Verlauf der Revolution stieg sein Einfluß drastisch an - Marat verkörperte den fortschrittlichsten Flügel der Revolution.

Nach Ausarbeitung der Verfassung sah die "Konstituierende Nationalversammlung" ihre Aufgabe als beendet an. Aufgrund der neuen Verfassung wurde die Gesetzgebende Versammlung gewählt. Von 766 Deputierten waren nur drei Bauern und vier Handwerker. Die Großbourgeoisie hatte die größte Zahl der Plätze inne (264 Sitze). Den linken Flügel der Versammlung bildeten die "Jakobiner" und "Girondisten" mit zusammen 136 Deputierten. Waren die Girondisten die Vertreter des Handels- und des Industriebürgertums, so repräsentierten die Jakobiner bzw. die Bergpartei das gebildete Kleinbürgertum, stützten sich auf die armen Schichten der Bevölkerung und vertraten teilweise das, was wir heute als sozialistisches Gedankengut betrachten würden, teilweise fanden aber auch reaktionäre Ideen ihren Platz (dies äußerte sich vor allem später in den verschiedenen Fraktionen innerhalb der Partei), Benannt wurden sie nach dem ehemaligen Kloster St. Jakob in Paris, in dem der sogenannte Jakobinerklub tagte. Dieser Klub war anfangs eigentlich nicht mehr als eine Versammlung, in der Reden gehalten wurden.

Obwohl sowohl Girondisten als auch Jakobiner nur jeweils ein Zehntel der Abgeordneten stellten, hatten diese beiden Gruppen den größten Einfluss auf die parlamentarischen Entscheidungen und sollten in der darauffolgenden Zeit das Geschehen Frankreichs bestimmen. Sogar die meisten Parteien des heutigen Frankreichs berufen sich in der einen oder anderen Form auf eine der damaligen Fraktionen der Gesetzgebenden Versammlung.

Krieg gegen Österreich

Der König stand der Gesetzgebenden Versammlung (dem Konvent) feindlich gegenüber. Als beschlossen wurde, dass das Eigentum der gegenre-volutionären Emigranten zu beschlagnahmen und die Todesstrafe für Konterrevolutionäre einzuführen sei sowie den Geistlichen, die den Eid auf die Verfassung verweigerten, die Gehälter entzogen werden sollten, legte der König sein Veto ein. Doch im März 1792 musste der König ein Ministerium der Girondisten unter Roland berufen. Inzwischen rüstete Österreich, verbündet mit Preußen, zum Krieg gegen Frankreich. Ludwig XVI sollte wieder in seine vollen Rechte eingesetzt werden. Darauf hatten sich der preußische König Friedrich Wilhelm der II. und der österreichische Kaiser Leopold II. in Pirna 1791 geeinigt. Die Gesetzgebende Versammlung beschloss, dem zuvor zu kommen. Sie erklärte Österreich im Frühjahr 1792 den Krieg. Der Krieg begann mit einer Reihe von Misserfolgen für Frankreich, da der Adel in den Kommandostellen mit dem Feind konspirierte.

Der Herzog von Braunschweig marschierte mit einer regulären Armee auf Paris, unterstützt durch ein bei Koblenz gebildetes Emigrantenheer. In dieser Situation riefen die führenden Jakobiner - Marat, Robespierre und Danton - die Arbeiter und Handwerker der Pariser Vororte zum Aufstand. Sie forderten die Absetzung des Königs und die Einberufung einer Volksversammlung, des Konvents, der durch allgemeine Abstimmung, ohne Teilung der Bürger in "Aktive" und "Passive", gewählt werden sollte. Die gewählten Vertreter der Bezirke von Paris, die schon früher "Aktive" und "Passive" zu ihren Sitzungen zugelassen hatten, erklärten sich als permanent tagend und wählten ein Zentralkomitee zur Leitung der revolutionären Bewegung.

Am 10. August 1792 erfolgte der Sturm auf das königliche Schloss. Der König flüchtete in die Gesetzgebende Versammlung und stellte sich unter deren Schutz. Die Gesetzgebende Versammlung entzog dem König die Macht und wollte ihn auf einem Schloss unter Hausarrest stellen, musste aber auf Druck der revolutionären Kommune von Paris den König verhaften und ihn ins Gefängnis einliefern lassen.

Die Girondisten gelangten erneut zur Macht. Der rechte Jakobiner Danton wurde Justizminister. Die Kommune erklärte sich zur revolutionären Macht von Paris, die berechtigt sei, die Anordnungen der Gesetzgebenden Versammlung außer Kraft zu setzen. Inzwischen organisierten die Jakobiner die erfolgreiche Verteidigung des revolutionären Frankreichs gegen die vereinigten europäischen Monarchien, die in der Besetzung von Teilen Belgiens endete.

Hinrichtung von Ludwig XVI.

Die Girondisten wollten die Revolution beendet sehen, die Jakobiner sie weiterführen, sie vertiefen und den Kampf gegen das feudale Europa weiterführen. Die Girondisten versuchten nun, das Leben des Königs zu retten. Die Jakobiner setzten mit Hilfe der Pariser Kommune durch, dass der Konvent Gericht über den König hielt und ihn wegen der Zahlung von Pensionen an emigrierte Adelige sowie einem geplanten Putschversuch verurteilte. Am 21. Januar 1793 wurden der König Ludwig XVI. mittels der Guillotine hingerichtet. Ein Jahr später wurde auch seine Frau Marie-Antoinette dem Schafott übergeben.

Unter der militärischen Führung der Girondisten verschlechterte sich die Lage an den Fronten erneut. Der österreichisch-preußischen Koalition schloss sich auch Spanien an. Russland beteiligte sich an der wirtschaftlichen Blockade Frankreichs. Am 1. Februar 1793 erklärte Frankreich wegen der Beschlagnahme französischer Handelsschiffe an England den Krieg. Am gleichen Tage erfolgte die Kriegserklärung an Holland. Gleichzeitig verschärfte sich die innenpolitische Lage. Unter dem Einfluss der verarmten Massen von Paris, der sogenannten "Wütenden", forderten die Jakobiner Festpreise für Brot und Lebensmittel. Am 5. Mai nahm der Konvent das Gesetz über das Maximum für Brot und Getreide an.

Die Girondisten stellten nun den linken Jakobiner Marat vor Gericht, weil er ihnen mehr und mehr unangenehm wurde, mussten ihn aber unter dem Druck der Massen freisprechen. Nun beschlossen die Girondisten, gegen die Pariser Kommune vorzugehen und ein Gerichtsverfahren gegen die Sektionen in Gang zu setzen. Zu diesem Zweck setzte der Konvent eine Zwölferkommission ein. Daraufhin kam es in den Pariser Vorstädten zum Aufstand.

Attentat auf Marat

Unter dem Druck der Massen beschloss die Gesetzgebende Versammlung am 31. Mai die Auflösung der Zwölferkommis-sion. Nun suchte die Linke die Entscheidung: am 2. Juni gab Marat vom Rathaus das Zeichen zum Läuten der Sturmglocke, 40.000 PariserInnen zogen bewaffnet zum Konvent. Angesichts dessen beschloss dieser die Verhaftung der Girondisten. So konnten die Jakobiner zur führenden Kraft in Frankreich werden. Doch auch die Konterrevolution schlief nicht: am 13.7.1793 wurde Marat von einer Monarchistin ermordet, woraufhin die Jakobiner die revolutionäre Gewalt errichteten. Kommissare, mit unbeschränkten Vollmachten , wurden an die Fronten und in die Aufstandsgebiete geschickt und richteten dort einige tausend Menschen hin, die sich gegen die Regierung stellten. Vor allem diese Zeit bezeichnen bürgerliche HistorikerInnen als die "Schreckensherrschaft der Jakobiner". Tatsächlich bekämpften die Jakobiner die alten Eliten, die den früheren Unterdrü-ckungsapparat wieder zum Leben erwecken wollten.

Robespierre

Die Fülle der Macht lag seit Sommer 1793 beim sogenannten Wohlfahrtsausschuss, an dessen Spitze Robespierre, der Vertreter der jakobinischen Mitte, stand (die jakobinische Rechte wurde von Danton repräsentiert, die Linke bis zu seiner Ermordung von Marat, danach von Hébert). Bei den Kommunen und Sektionen wurden ebenfalls revolutionäre Ausschüsse gebildet. Zur Aburteilung der Konterrevolutionäre errichteten die Jakobiner ein Revolutionstribunal. Alle Verdächtigen wurden so-fort verhaftet, ebenso die Geistlichen, die den Eid auf die Verfassung verweigerten. Allen Emigranten, die heimlich nach Frankreich zurückgekehrt waren, drohte die Todesstrafe. Aufständische wurden erschossen. Die Führer der Girondisten wurden hingerichtet. Damit wurden die Aufstände unterdrückt, die Sabotage gebrochen und auch der Sieg an den Fronten errungen.

Am 17. Juli 1793 gab der Konvent ein Dekret über die völlige und entschädigungslose Abschaffung der Feudallasten heraus. Es wurde gleichzeitig ein Befehl herausgegeben, alle Urkunden zu verbrennen, in denen die Rechte der Seigneurs aufgezeichnet waren. Die Güter der Emigranten wurden in kleine Landstücke aufgeteilt und an die Bauern verkauft. Die Sklaverei in den Kolonien wurde abgeschafft. Im Herbst nahm der Konvent ein Gesetz über das allgemeine Maximum (Verdiensthöchstgrenze) an.

Konterrevolution!

Nach der Schlacht bei Fleurus am 26. Juni 1794 trugen die Heere des Konvents den Krieg in feindliches Gebiet. Mit dem Sieg nach außen und der Niederwerfung des Feindes im inneren verstärkten sich die Gegensätze im Lager der Jakobiner. Eine Gruppe um den Linksjakobiner Hébert und deren Anhänger, die sich auf die Ärmsten und die "Wütenden" stützten, forderten die Verschärfung des Terrors gegen die Spekulanten und Maßnahmen gegen die Reichen. Nachdem Hébert einen Aufstand versucht hatte, wurde er und seine Anhänger verhaftet und hingerichtet (März 1794). Durch diesen Schlag gegen die Linke geriet der revolutionäre Prozess ins Stocken. Erstmals seit 1789 hatte eine Kräfteverschiebung keinen weiteren Schritt nach links bedeutet, sondern die Rechte gestärkt. Damit begann der Verrat des jakobinischen Zentrums am Volk.

Gleichzeitig wurde aber auch gegen die Rechte vorgegangen, die Morgenluft witterte. Eine Verschwörung Dantons und seiner Anhänger im Sumpf (der Masse der Abgeordneten, die nicht fraktionell gebunden waren und wechselnd abstimmte) wurde aufgedeckt. Danton hatte verlangt, mit dem Bürgertum Frieden zu schließen, den Terror abzuschaffen, die Verdiensthöchstgrenze aufzuheben und mit England Frieden zu schließen. Man warf ihm vor, Volksgelder veruntreut zu haben und von England bestochen worden zu sein - er landete unter der Guillotine.

Thermidor

Die Lage der Armen blieb trotz Beseitigung der Feudallasten schwer. Die Bauern besaßen keine Mittel, Land zu kaufen. Aufgeteilt war nur das Land der Emigranten. Gegen das Eigentum allgemein gingen die Jakobiner nicht vor. Im Gegenteil! In der Konventsverfassung war es ausdrücklich weiterhin als "das natürliche und unveräußerliche Recht des Menschen" bezeichnet. Da die Jakobiner keine entscheidenden Maßnahmen zur Verbesserung der Lage der Armen ergriffen, verloren sie langsam die Massenbasis. Diese Chance nutzten die verbliebenen Girondisten. Sie putschten und erklärten Robespierre und seine Anhänger für "außerhalb des Gesetzes stehend" und ließen sie hinrichten. Die nun an die Macht gelangten Girondisten wurden als "Thermidorianer" (nach der Bezeichnung des Monats im revolutionären Kalender) bezeichnet, ein gegenrevolutionäres Bürgertum, das einen wütenden Terror gegen die Volksmassen entfachte.

Dem Wohlfahrtsausschuss wurden seine Vollmachten genommen. Ihm verblieben nur die auswärtigen Angelegenheiten und die Leitung der Heere. Der neue Ausschuss für innere Sicherheit wurde von den Thermidorianern besetzt. Der Jakobinerclub wurde geschlossen und der Revolutionsausschuss wurde aufgelöst - triumphierend kehrten die Girondisten in den Konvent zurück.

Aufstieg Napoleons

Am 24. Dezember 1794 wurde das allgemeine Maximum abgeschafft. Durch die zügellose Ausgabe von Papiergeld wuchs die Teuerung. Im Frühjahr 1795 versuchten die hungernden Massen unter der Parole: "Brot und die Verfassung von 1793" zweimal einen Aufstand und forderten die Rückkehr der Jakobiner. Die Aufstände wurden niedergeschlagen.

Nach dem Sturz Robespierres erlangte das besitzende Bürgertum die einflussreichsten Machtpositionen in der noch revolutionären Republik. Diese sah sich jedoch sowohl von links als auch von rechts zusehends bedroht. Daher wurde eine Verfassung beschlossen, die das Wahlrecht wieder nach dem Besitz ausrichtete und die Regierungsgewalt in die Hand von fünf Direktoren gab.

Die vierjährige Regierungszeit des Direktoriums zeichnet sich dadurch aus, dass es vornehmlich damit beschäftigt war, seine Macht gegen die Angriffe der Royalisten und der Anhänger der Jakobiner zu verteidigen. Während des "Directoires" wuchsen die Unterschiede zwischen Arm und Reich. Beendet wurde das Direktorialsystem durch den Putsch Napoleons im Jahr 1799. Napoleon, ein verarmter korsischer Adeliger, stieg seit Beginn der Revolution vom einfachen Offizier zum einflussreichsten Militär auf . Mit Beginn seiner Herrschaft wurden die neu errungenen Rechte der Bourgeoise zementiert.

Philosophen der Französischen Revolution

Voltaire (1694-1778)

kämpfte gegen Leibeigenschaft und Kirche. Er forderte Toleranz, Freiheit des Wortes und die Unverletzlichkeit der Person. Er war aber weder Revolutionär noch Demokrat oder Atheist. Eine Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse erhoffte er sich von einem aufgeklärten Herrscher.


Montesquieu (1689-1755)

begründete in seinem "Geist der Gesetze" die Theorie von der Teilung der Gewalten. Der König sollte die Exekutivgewalt ausüben. Die gesetzgebende Gewalt sollte den Vertretern der besitzenden Klassen, dem Bürgertum, gehören. Die Richter sollten von König und Parlament unabhängig sein. Die Macht des Königs sollte zugunsten des Bürgertums eingeschränkt werden.


Rousseau (1712-1778)

forderte die Republik. Er war Vertreter der kleinbürgerlichen Demokratie und sah alles Übel im Privateigentum, mit dem man sich abfinden müsse, da es unvermeidlich sei. Er forderte einen unerbittlichen Krieg gegen die großen Besitzer, die kleinen wollte er geschützt wissen. "Zur Verbesserung der Gesellschaftsordnung ist es nötig, dass jeder genügend besitzt und niemand übermäßig viel hat."

Rousseaus Ideal war die demokratische Republik des Kleinbesitzes. Seine Theorien spiegelten die Stimmungen der Kleinbürger wider, die die Vernichtung des Feudalwesens erstrebten, aber die Nöte der kapitalistischen Wirtschaft fürchteten und glaubten, dem zu entgehen, wenn der Großbesitz eingeschränkt werde. Er schrieb: "Der erste, der ein Stück Land absteckte und dann sich herausnahm, zu erklären; Das gehört mir! und Leute fand, einfältig genug, dies zu glauben, war der wahre Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Mordtaten, wieviel Elend und Schrecken hätte der nicht dem Menschengeschlechte erspart, der die Pfähle herausgerissen, die Gräben zugeschüttet und seinen Genossen zugerufen hätte: Hütet euch, diesen Betrüger anzuhören; verloren seid ihr, wenn ihr vergeßt, dass die Früchte allen gehören und der Boden keinem."